Die 5 besten Alternativen zu Crunchyroll
Crunchyroll ist nach wie vor die schnelle Antwort, wenn jemand fragt, wo man in Deutschland Anime schauen kann. Es gibt Simulcasts, eine riesige Bibliothek und diesen Effekt von „Wenn es da nicht ist, gibt es das wahrscheinlich nirgends“. Aber es deckt nicht alles ab. Lizenzen wandern, Klassiker tauchen auf kleineren Plattformen auf, Filme landen bei Netflix oder Prime Video, und deutsche Synchros laufen oft unter dem internationalen Radar.
Deshalb geht es bei Alternativen zu Crunchyroll nicht darum, einen perfekten Ersatz zu finden. Es geht darum zu wissen, welche Plattform zu welchem Zuschauertyp passt: zu dem, der die japanische Season verfolgt, zu dem, der Anime mit deutscher Synchro sehen will, zu dem, der ohne Umstände Dragon Ball schauen möchte, oder zu dem, der nur ab und zu für einen bestimmten Film vorbeischaut.
1. Joyn und ProSieben Maxx: die lokalste Alternative für Deutschland
Joyn ist wahrscheinlich die Option, die du dir zuerst ansehen solltest, wenn du hauptsächlich in Deutschland schaust und Wert auf deutsche Synchro legst. Die Plattform konkurriert nicht mit Crunchyroll über globales Volumen, sondern über das Programm von ProSieben Maxx, bekannte Namen und eine Auswahl, die stark auf das Publikum zugeschnitten ist, das mit Anime im Fernsehen aufgewachsen ist.
Ihre Stärke liegt in großen Shōnen-Namen, wie sie ProSieben Maxx seit Jahren im Free-TV zeigt – etwa One Piece, Dragon Ball oder Naruto –, wobei Serien und Filme je nach Lizenz kommen und gehen (der Stand kann sich jederzeit ändern). Für Fans, die mit diesen Titeln groß geworden sind, hat das einen ganz eigenen Nostalgiewert. Es ist keine Plattform für alle, die jeden Abend nur neue japanische Folgen wollen. Eher eine Mediathek mit deutlich deutschem Fernsehflair.
Spannend ist, dass Joyn nicht darauf ausgelegt scheint, um denselben Nutzer zu kämpfen, der zwanzig Simulcasts pro Season schaut. Ihr natürliches Publikum ist ein anderes: Leute, die Synchro, Nostalgie und einen unkomplizierten Zugang wollen, ohne gleich ein weiteres Abo abzuschließen. Für viele Fans ist das schon eine ganze Menge wert.
2. Netflix: weniger vollständig, aber mit echten Volltreffern
Netflix ist keine Anime-Plattform. Und genau deshalb wird es in dieser Diskussion manchmal unterschätzt. Der Katalog ändert sich, manche Lizenzen tauchen ohne großes Aufsehen auf und wieder ab, aber wenn Netflix trifft, dann mit Titeln, die es in die allgemeine Debatte schaffen: Vinland Saga, Delicious in Dungeon, Blue Lock, Hunter x Hunter, Death Note, One Piece, Demon Slayer, The Apothecary Diaries oder Filme wie The First Slam Dunk und mehrere Naruto- oder One-Piece-Filme, je nach Verfügbarkeit.
Der Vorteil ist nicht die Tiefe, sondern die minimale Hürde. Die App ist in halb Deutschland schon auf dem Fernseher installiert, das Familienprofil existiert bereits, und Synchro oder Untertitel sind meist gut integriert. Für alle, die nicht ständig auf die Frühlings- oder Herbstseason schielen, funktioniert Netflix wie eine Seitentür zum Anime: weniger präzise, klar, aber sehr bequem.
Außerdem hat es etwas, das Crunchyroll nicht immer bieten kann: Eigenproduktionen oder internationale Veröffentlichungen, die wie ein Event inszeniert werden. Cyberpunk: Edgerunners hat das eindrucksvoll bewiesen. Das war nicht „noch ein Anime im Katalog“, sondern eine Serie, die Gamer, Science-Fiction-Fans und Trigger-Fans gleichzeitig erreicht hat.
3. Prime Video: verstreut, aber nützlich, wenn du Prime sowieso hast
Prime Video ist chaotischer. Der Anime-Bereich mischt inklusive Inhalte, Leihtitel, Kauftitel, Channels und Serien, die nicht immer so übersichtlich präsentiert werden, wie es das Genre verdient. Trotzdem hat es in Deutschland einen kaum zu ignorierenden Vorteil: Viele zahlen Prime ohnehin wegen des Versands, nicht wegen der Videos. Taucht eine interessante Serie im Katalog auf, kostet es fast keine Überwindung, mal reinzuschauen.
Die Plattform führt Anime als eigene Kategorie und bündelt dort meist Filme, Klassiker, einzelne Neuerscheinungen sowie Kauf- oder Leihinhalte. Für das tagesaktuelle Verfolgen einer Season ist sie nicht die beste Adresse, aber durchaus ein guter Zweitbildschirm, um einen Film nachzuholen, Reihen zu vervollständigen oder thematische Channels zu finden. 2025 hat Prime Video sein Angebot zudem mit kostenlosen Anime-Channels verstärkt – ein Zeichen dafür, dass das Genre längst kein bloßer Katalog-Lückenfüller mehr ist.
Das Problem ist die Ordnung. Bei Crunchyroll weißt du beim Reinklicken, was du suchst. Bei Prime Video musst du manchmal graben. Es gibt eine Belohnung, aber nicht immer die nötige Geduld.
4. Deutsche Anime-Labels: Nischenkatalog und Synchro mit Persönlichkeit
Deutsche Anime-Labels wie Peppermint Anime, KSM Anime, Leonine Anime oder AniMoon besetzen einen ganz anderen Platz. Sie versuchen nicht, gigantisch zu wirken. Ihr Angebot dreht sich um deutsche Synchronfassungen, Disc-Veröffentlichungen und einen Katalog mit Titeln, die eine bestimmte Art von Fan sehr interessieren – inklusive Serien, die über digitale Shops und Plattformen je nach Lizenz zusätzlich auftauchen.
Das Beste an diesen Labels ist gerade ihre Größe. Sie haben das Gefühl eines Verleihs, nicht eines audiovisuellen Supermarkts. Das bringt natürlich Einschränkungen mit sich: weniger technische Muskeln, kein riesiger Katalog, weniger Präsenz in der täglichen Debatte. Aber auch eine klarere Identität. Wenn du Anime mit deutscher Synchro, lizenzierte Raritäten oder Serien suchst, die nicht immer in den offensichtlichen Empfehlungen auftauchen, solltest du dir ihr Programm ansehen, bevor du es abhakst.
5. Disney+ und HIDIVE: Optionen mit Kleingedrucktem
Disney+ ist über starke Lizenzen in den Anime-Bereich eingestiegen, mit Fällen wie Tokyo Revengers in bestimmten Gebieten und weiteren Titeln im Rahmen seiner internationalen Expansion. Das Problem in Deutschland: Es fühlt sich nicht wie ein Zuhause für Anime an, sondern wie eine Allround-Plattform, die sich ab und zu wichtige Serien schnappt. Einen Blick wert, wenn du das Abo schon bezahlst, aber nicht die erste Alternative für jemanden, der nur Anime will.
HIDIVE wiederum hat auf dem Papier eine sehr attraktive Identität: Simulcasts, aktuelle Synchros, weniger glattgebügelte Titel und ein Katalog für Fans, die die Hauptspur verlassen wollen. Vorsicht ist bei der regionalen Verfügbarkeit geboten. Bevor du aus Deutschland zahlst, solltest du den tatsächlichen Zugang, die Apps, die Untertitel und den Katalog prüfen, der in deinem eigenen Konto sichtbar ist. Als Ergänzung kann es interessant sein; als blinde Empfehlung nicht.
Welche Plattform zu welchem Fan passt
Wenn du regelmäßig japanische Neuerscheinungen verfolgen willst, ist Crunchyroll weiterhin schwer zu verdrängen. Willst du aber deine Bibliothek erweitern, ist Joyn die naheliegendste deutsche Alternative. Für populäre Anime innerhalb eines Abos, das du ohnehin nutzt, liefert Netflix meist mehr, als man denkt. Prime Video lohnt sich in Kombination mit Käufen, Leihtiteln oder Channels. Die deutschen Labels sind etwas für alle, die einen Katalog mit eigener Handschrift wollen und weniger vom globalen Algorithmus abhängig sein möchten.
Die beste Strategie ist eigentlich, sich nicht auf eine einzige Plattform festzulegen. Anime ist in Deutschland durch Lizenzen, Synchros, Veröffentlichungsfenster und Vertriebsverträge zersplittert. In einem Monat kann Joyn wegen eines Klassikers Sinn ergeben, im nächsten Netflix wegen einer abgeschlossenen Serie, im übernächsten Prime Video wegen eines bestimmten Films. Wer das verstanden hat, sieht mehr und zahlt seltener blind.








